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Chinesische Naturprodukte I

Bambus



Inhalt

Einleitung

Biologie und Formenvielfalt

Sprachgebrauch und Symbolik

Bambus in Literatur und Kunst

Bambus als Nahrungsmittel und Werkstoff

Ökologische Bedeutung

Fußnoten

Verwendete Literatur

Weiterführende Informationen


Einleitung

Der Bambus gehört wohl mit zu den biologisch interessantesten und vielfältigsten Pflanzen und wurde schon seit frühesten Zeiten in mannigfaltiger Weise vom Menschen genutzt. Insbesondere aus der chinesischen Kultur ist der Bambus, der in China besonders artenreich vertreten ist, kaum wegzudenken. Aus Bambus hergestellte Gegenstände trifft man zumindest in Nordchina allerdings heutzutage nur noch selten an. Bambussprossen stellen nichtsdestotrotz eine wichtige Zutat auch der nordchinesischen Küche dar. Und kaum ein Tempel, Garten oder Park kommt ohne Bambushain aus. Im Zizhuyuan Park in Beijing ist Bambus sogar eindeutig das bestimmende Element. Der folgende Artikel behandelt, neben einem kurzen Überblick zur Biologie des Bambus, vor allem dessen Rolle als eine der bedeutsamsten und ältesten Kulturpflanzen Chinas.

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Biologie und Formenvielfalt

Der Bambus, der zur Familie der Gräser (genauer der Süßgräser, Poaceae) gehört und dort die Unterfamilie der Bambusoideae bildet, gliedert sich in etwa 76 Gattungen mit 1200 bis 1500 Arten.1 Etwa 500 Arten davon sind allein in China heimisch. In Europa ist hingegen keine Art heimisch, doch werden hier mittlerweile mehr als 400 verschiedene Arten kultiviert.2

Die Bambusarten lassen sich grob in jene Arten einteilen, welche in tropischen und subtropischen Gefilden heimisch sind, und in jene, die in den gemäßigten Breiten vorkommen.3 Der weitaus größte Teil der Bambusarten kommt dabei in den Tropen Ost- und Südostasiens vor. Bambus kommt in sehr verschiedenen Größen vor, die Spannbreite reicht von etwa 10-20 Zentimetern bis hin zu 36 Metern (Rekord 90 Meter). Die Lebensdauer eines einzelnen Halmes beträgt in der Regel 5 bis 10 Jahre.4 Dabei erreicht ein Halm seine volle Größe innerhalb einer einzigen Wachstumsperiode, die etwa 60 bis 90 Tage beträgt.5 Manche Arten können an einem Tag um bis zu 50 Zentimeter wachsen. Die gesamte Pflanze kommt je nach Art in 1 bis 120 Jahren einmal zur Blüte und stirbt dann meist ab. Die Blüte tritt dabei in der gesamten Population mehr oder weniger gleichzeitig auf, wobei noch nicht hinreichend geklärt ist, welche Faktoren den Blüteprozess auslösen.6

Bildergalerie: Formenvielfalt des Bambus. (Eigene Aufnahmen aus der Flora Köln)

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Sprachgebrauch und Symbolik

Die Bedeutung des Bambus für die chinesische Kultur und das chinesische Denken spiegelt sich auch im Sprachgebrauch wider. So dient etwa das Zeichen für Bambus (Zhu, 竹) gleichzeitig auch als Radikal (Grundbestandteil chinesischer Schriftzeichen) für viele Zeichen, die Gegenstände bezeichnen, welche zumindest in früheren Zeiten meist aus Bambus hergestellt wurden. So zum Beispiel: Stäbchen (Kuaizi, 筷子); Stift (Bi, 笔); Flöte (Dizi, 笛子).7

Einige Redewendungen (Chengyu, 成语) hingegen spielen auf bestimmte Eigenschaften des Bambus an, beispielsweise:

胸有成竹 / 成竹在胸 (Xiong you cheng zhu / Cheng zhu zai xiong). Gemeint ist ein Maler, der schon vor dem Malen des Bambus, das vollständige Bild des zu malenden Bambus vor Augen hat, also in gewisser Weise selbst zum Bambus geworden ist. In einem anderen Kontext verwendet weist das Sprichwort darauf hin, dass jemand eine Sache sehr gut durchdacht hat und diese deswegen selbstsicher durchführen kann.

势如破竹 (Shi ru po zhu). Bezeichnet eine Sache, die sich ebenso leicht erledigen lässt, wie das Spalten von Bambus in zwei Hälften, bzw. die Stärke, Dinge mit dieser Leichtigkeit durchführen zu können.

青梅竹马 (Qingmei zhuma). Diese Redewendung deutet auf eine Jugendliebe hin (mit der man schon in früher Kindheit gemeinsam auf einem Schaukelpferd aus Bambus gespielt hat).8

In China gilt der Bambus als Symbol für Bescheidenheit, Alter und Standhaftigkeit. Zusammen mit Pflaume und Kiefer gehört er als immergrüne Pflanze zu den so genannten drei Freunden im Winter (岁寒三友).9

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Bambus in Literatur und Kunst

Der Bambus stellt ein wichtiges Motiv in der chinesischen Dichtung und Malerei dar. Der Bambus gehört neben Pflaume, Orchidee und Chrysantheme zu den als die Vier Edlen der Malerei (Hua zhong si junzi, 花中四君子) bezeichneten Pflanzen. Das Malen des Bambus stellt allerdings eine große Herausforderung für den Künstler dar. Es setzt eine gute Kontrolle bei Strichführung und Komposition voraus. Dabei kommen bei der Bambus-Malerei dieselben Pinselstriche zum Einsatz wie bei der Kalligraphie. Ganze Lehrwerke behandeln das Malen von Bambus.10

Als gelungene Werke gelten vor allem diejenigen, welche die dem Bambus zugeschriebenen Eigenschaften besonders überzeugend zum Ausdruck bringen. Außerdem diente der Bambus den Künstlern als Mittel, um die Lebenskraft qi (气), welche durch den (unsichtbaren) Wind verkörpert wird, in gewisser Weise sichtbar werden zu lassen.11

Zu den bedeutendsten Bambusmalern zählen u. a. Wen Tong (文同, 1019-1079, auch: Yu Ke (与可), seine Bambusmalerei prägte das Sprichwort Xiong you cheng zhu, siehe oben), Ni Zan (倪瓒, 1301-1374, obwohl hoch gelobt, konnte er selbst nichts Besonders in seiner Bambusmalerei finden)12 und Su Shi (苏轼, 1037-1101, auch: Su Dongpo, 苏东坡, führte das Malen von Bambus mit roter anstelle von der für gewöhnlich verwendeten schwarzen Tinte ein).13

Die meisten der Maler waren zugleich auch Dichter und versahen ihre eigenen Werke oder die ihrer Kollegen gerne mit entsprechenden Dichtungen. So widmete etwa Su Shi Wen Tong auf einem von dessen Bambusgemälden ein Gedicht, welches Wen Tongs herausragende Fähigkeiten als Bambusmaler lobpreist.14

Bambusgemälde von Wen Tong. Wen Tong vermochte es wie kaum ein anderer, sich den zu malenden Bambus genau vorzustellen (im sprichwörtlichen Sinne: selbst zum Bambus zu werden) und dann dieses geistige Bild in Perfektion künstlerisch umzusetzen.15 (Bildquelle: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain Picture)


Autumn Wind in Gemstones Trees Bambusgemälde von Ni Zan. Bei Ni Zan wird der Bambus nur selten als Pflanze in den Vordergrund gestellt, stattdessen bildet er bei ihm meist nur einen (allerdings sicherlich wichtigen) Teil einer größeren Landschaft.16 (Bildquelle: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain Picture)


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Bambus als Nahrungsmittel und Werkstoff

Der Gebrauch von Bambus durch den Menschen, sei es als Nahrungsmittel oder als Werkstoff hat eine lange Geschichte. In China lässt sich die Verwendung des Bambus bis in die Neusteinzeit zurückverfolgen.17 Vielen Wildtieren, allen voran dem Großen Panda dient der Bambus als Nahrung, auch wurden und werden Bambusblätter an Pferde und Vieh verfüttert.18 Für den Menschen sind die Bambussprossen als Nahrung von Interesse, die Sprossen eines Großteils der Bambusarten sind essbar und schmecken richtig serviert vorzüglich. Darüber hinaus verfügen sie über einen hohen Nährwert bei gleichzeitig geringem Fettgehalt.19

Die Arten und Weisen, in welchen Bambus als Werkstoff zum Einsatz kommt, sind so mannigfaltig, dass eine auch nur annähernd vollständige Aufzählung den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen würde. Für China kann von mindestens 1500 verschiedenen Nutzungsarten des Bambus ausgegangen werden.20 Aus Bambus werden Alltagsgegenstände wie Körbe, Schirme, Pinsel oder Fächer gefertigt, aber auch große Bauten wie Gerüste, Brücken und Häuser. Gerade im Süden Chinas, etwa in der wohl bambusreichsten Provinz des Landes, Yunnan (云南, ca. 250 Bambusarten sind allein hier heimisch) wird Bambus bis zum heutigen Tage von vielen der dort lebenden ethnischen Minderheiten in nahezu allen Bereichen des Lebens verwendet.21

Besonders interessant ist vielleicht die Verwendung von Bambus als Papier bzw. Papierersatz. Lange vor der Erfindung der Seide und dem eigentlichen Papier dienten vermutlich schon seit der Shang-Dynastie (商朝, 16.Jd.v.Chr. - 11.Jd.v.Chr.) in China aus Bambushalmen gefertigte Täfelchen als Schreibfläche. Durch Schnüre miteinander verbunden, bildeten diese Täfelchen eine frühe Buchform. Auch nach Einführung des Papiers wurde Bambus immer wieder als Schreibmaterial verwendet, dann allerdings meist aus ästhetischen Gründen.22 Bambusfasern hingegen werden bis heute zur Herstellung von "echtem" Papier verwendet, ein Trend der angesichts des steigenden Papierbedarfs in den ost- und südostasiatischen Ländern immer weiter zunimmt.23

Bambusbuch Die Kunst des Krieges (孙子兵法) von Sunzi (孙子) in Bambusbuchform. Die Herstellung eines solchen Bambusbuches war ein recht aufwendiger Prozess. Nachdem die grüne Haut der zuvor passend zurechtgeschnittenen Bambustäfelchen entfernt worden war, mussten diese noch über dem Feuer getrocknet werden. Die Zeichen wurden dann stets von oben nach unten aufgetragen, wenn es der Platz zuließ, waren auch mehrere Reihen pro Täfelchen möglich. Eine wirkliche Norm bezüglich der Größe der Täfelchen gab es nicht, weshalb darauf je nachdem 8 bis 80 Zeichen Platz fanden.24 (Bildquelle: Wikimedia Commons, Autor: vlasta2, Lizenz: Creative Commons Attributions 2.0 License)


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Ökologische Bedeutung

Neben seiner nicht zu unterschätzenden ökonomischen Bedeutung, die der Bambus gerade für die ärmeren Länder der Tropen und Subtropen hat, kommt dem Bambus auch eine große ökologische Bedeutung zu. Umso besorgniserregender erscheint es da, dass im Zuge der weltweiten Abholzung tropischer Regenwälder auch viele Bambusarten möglicherweise unwiederbringlich verloren gehen.25

Dabei könnte der Bambus sogar helfen, die Abholzung tropischer Regenwälder abzubremsen, da er nicht nur einen sehr guten Holzersatz darstellt, sondern zudem rasch nachwächst. Bambuswälder dienen außerdem auch als Kohlenstoffspeicher. Sie schützen vor Bodenerosion und bauen beschädigte Böden wieder mit auf.26

Andererseits bieten Bambuswälder auf keinen Fall auch nur annähernd dieselbe ökologische Vielfalt, wie sie sich etwa in tropischen Regenwäldern findet. Es wäre daher ein schwerer Fehler, solche Lebensräume, etwa aus rein ökonomischen Erwägungen heraus, zugunsten der schnell nachwachsenden Ressource Bambus zu opfern.27 Bambuswälder sollten also nur da angepflanzt werden, wo sie ökologisch sinnvoll bzw. bei einer allmählichen Wiederaufforstung natürlicher Wälder von Nutzen sind.

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Fußnoten

1. Vgl. Farrelly 1984, S. 137; Li 2003, S. 1.

2. Vgl. Li 2003, S. 1, 3-4.

3. Vgl. Farrelly 1984, S. 137.

4. Vgl. Farrelly 1984, S. 141.

5. Vgl. Li 2003, S. 10.

6. Vgl. Farrelly 1984, S. 140, 148-149; Li 2003, S. 13.

7. Vgl. Lindqvist 1991, S. 232.

8. Vgl. Zhou 2001, S. 47, 257, 303, 380.

9. Vgl. Eberhard 2001, S. 31-32.

10. Vgl. Eberhard 2001,. S. 32; Lindqvist 1991, S. 229-230.

11. Vgl. Farrelly 1984, S. 78.

12. Vgl. Kuntze-Shroff 1959, S. 69.

13. Vgl. Miclat, S. 31.

14. Vgl. Mair 1999, S. 249-250.

15. Vgl. Murck 1983, S. 267-268.

16. Vgl. Kuntze-Shroff 1959, S. 67-68.

17. Vgl. Li 2003, S. 2.

18. Vgl. Farrelly 1984, S. 280.

19. Vgl. Farrelly 1984, S. 278; Hao 2004, S. 162.

20. Vgl. Farrelly 1984, S. 13.

21. Vgl. Hao 2004, S. 159, 161-162.

22. Vgl. Tsien 1962, S. 90-91, 104.

23. Vgl. Farrelly 1984, S. 275-276.

24. Vgl. Tsien 1962, S. 104, 107.

25. Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/65912/index.html (Zugriffsdatum 9.8.2008).

26. Vgl. Li 2004, S. 2-4.

27. Vgl. Coggins 2000, S. 85.

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Verwendete Literatur

Coggins, Christopher R.: Wildlife Conservation and Bamboo Management in China's Southeast Uplands. In: Geographical Review, Vol. 90, No. 1, 2000, S. 83-111.

Eberhard, Wolfram: Lexikon chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen. Diederichs, München 2001.

Farrelly, David: The Book of Bamboo. A Comprehensive Guide to this remarkable plant, its uses, and its history. Sierra Club Books, San Francisco 1984.

Hao, Jiming; Pei, Shengji; Wang, Kanglin; Yang, Yuming: Bamboo Diversity and Traditional Uses in Yunnan, China. In: Mountain Research and Development, Vol. 24, No. 2, 2004, S. 157-165.

Kuntze-Shroff, Helga: Leben und Dichtung des Ni Tsan. Bombay University Press, Bombay 1959.

Li, Zhaohua: Diversity and Ecology of Mountain Bamboos in the Shennongjia National Nature Reserve of Central China. Implications for Resource Management and Biodiversity Conservation. Cuvillier Verlag, Göttingen 2003.

Lindqvist, Cecilia: China. Empire of Living Symbols. Addison-Wesley, Reading, Massachusetts 1991.

Mair, Victor (Hrsg.): The Columbia Anthology of Traditional Chinese Literature. Columbia University Press, New York 1999.

Miclat, Maningning C.: The Visual Poetry of Chinese Bamboo: Some Notes on Traditional Chinese Xieyi Painting. Online unter: http://journals.upd.edu.ph/index.php/humanitiesdiliman/article/viewFile/10/456 (PDF-Datei, Zugriffsdatum: 7.8.2008)

Murck, Christian: Su Shih's reading of the Chung yung. In: Bush, Susan; Murck, Christian (Hrsg.): Theories of the Arts in China. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 1983.

Tsien, Tsuen-hsun: Written on Bamboo and Silk. The Beginnings of Chinese Books and Inscriptions. University of Chicago Press, Chicago 1962.

周挺 (Zhou, Ting; Hrsg.): 万用成语辞典 (Wanyong Chengyu Cidian). 四川辞书出版社 (Sichuan Cishu Chubanshe), 成都 (Chengdu) 2001.

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Weiterführende Informationen

Weiterführende Links: Das Bambus Lexikon. Umfassendes Bambus-Portal. (Deutsch)

American Bamboo Society. Auch die Webseite der American Bamboo Society hält eine Menge an Informationen bereit. (Englisch)

Wikipedia - Bambus. Wikipedia-Seite zum Bambus. (Deutsch)

Planet Wissen - Porträt Bambus. Abwechslungsreiches Infoangebot zum Bambus. (Deutsch)

Wikipedia - Wen Tong. Wikipedia-Seite zu Wen Tong. (Englisch)

Wikipedia - Su Shi. Wikipedia-Seite zu Su Shi. (Deutsch)

Wikipedia - Ni Zan. Wikipedia-Seite zu Ni Zan. (Deutsch)

Nano - Hälfte aller Bambusarten bedroht. Artikel zur Bedrohung des Bambus. (Deutsch)

Weiterführende Literatur: Farrelly, David: The Book of Bamboo. A Comprehensive Guide to this remarkable plant, its uses, and its history. Sierra Club Books, San Francisco 1984. Liebevoll und kenntnisreich umgesetzte Abhandlung über so ziemlich jeden den Bambus betreffenden Aspekt.